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1933 - heute

Auflösung und Verbot der Arbeiterwohlfahrt 1933

1933 waren alle Anstrengungen vergeblich. Das Naziregime zerschlug auch den hoffnungsvollen Aufschwung der Arbeiterwohlfahrt. Der Hauptausschuß gründete, noch bevor die Arbeiterwohlfahrt verboten wurde, im Januar 1933 eine Tarnorganisation, die unter dem Namen "Deutsch-Ausländisches Jugendhilfswerk e.V." die Hilfsmaßnahmen für verfolgte und ihre Familien weiterführen sollte, und stattete dieses Werk mit einem namhaften Geldbetrag aus.

So war es bis 1936 möglich, vielen notleidenden Familien durch Paketsendungen zu helfen. Bis 1936 wurde auch in Berlin Reinickendorf ein Kindergarten unterhalten, in dem fast nur jüdische Kinder waren.

Am 12 Mai 1933 wurde der Hauptausschuß von einem Beauftragten der Deutschen Arbeiterfront übernommen, der in einem Rundschreiben Anweisungen für die Umorganisation gab. Aber die Verantwortlichen auf allen Ebenen und die 135000 ehrenamtlichen Helfer versagten sich völlig der Gleichschaltung.

Die Arbeiterwohlfahrt existierte nicht mehr. Viele der führenden Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt emigrierten in westliche Länder oder versuchten, in der Illegalität weiterzukämpfen.

Die Arbeiterwohlfahrt Paris von 1933 bis 1940

Bereits im Sommer 1933 gründeten sozialdemokratische Emigranten in Paris eine Arbeitsgemeinschaft und Selbsthilfeorganisation. Sie nannten sich "Arbeiter-Wohlfahrt Paris" (Oeuvre socialdemocrate allemande) und unterhielten zeitweilig eine kleine Geschäfts- und Beratungsstelle.

Walter Friedländer war der Gründer dieses Kreises und bis Ende 1936 ihr Sekretär.

Vorsitzender wurde Rudolf Breitscheid, der später im KZ ermordet wurde.

Dem "Kuratorium" oder Vorstand gehörten acht bekannte Persönlichkeiten an, darunter Marie Juchacz, Rudolf Hilferding, Kurt Löwenstein.

Die Arbeiterwohlfahrt Paris hatte Kontakt zum Flüchtlingskommissar des Völkerbundes und wirkte mit in der Einheits-Vertretung deutscher Emigranten aller Richtungen in Frankreich.

Das Schicksal der meisten deutschen Emigranten war bitter. Viele waren in einer verzweifelten Lage, litten furchtbare Not, wenig Aussicht auf Arbeit, etliche hungerten.

Deshalb versuchte die Arbeiterwohlfahrt Paris, mit geringen Mitteln in ihrer Auskunfts- und Beratungsstelle mit wöchentlichen Sprechstunden deutschen bzw. deutschsprachigen Flüchtlingen Hilfe zu leisten oder Wohnungen und Arbeit zu vermitteln.

Außer den geringen Mitgliederbeiträgen, bekam die Arbeiterwohlfahrt Paris nur gelegentlich Spenden, sovom Exil- Parteivorstand der SPD in Prag,

vom Internationalen Bund der Gewerkschaften,

von französischen Sozialisten und

von einer amerikanischen Stiftung.Mit dem Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges und später die Besetzung der Tschechoslowakei durch Hitler und der Flucht vieler deutscher Emigranten blieben Spenden meist ganz aus.

So litt die praktische Hilfetätigkeit der Arbeiterwohlfahrt Paris fast ständig unter chronischem Finanzmangel und brachte zeitweilig jede echte Hilfetätigkeit zum erliegen.

Der Arbeiterwohlfahrt verbunden war ab 1934 ein Kinderheim bei Paris für hilfebedürftige Kinder deutscher Emigranten, das Nora Hackel leitete.

Die Arbeiterwohlfahrt nach 1945

Die Arbeiterwohlfahrt nach 1945

Wenige Monate nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches im Januar 1945 fanden sich Mitglieder und Freunde der Arbeiterwohlfahrt zusammen, um den Verband an vielen Orten von der Basis her wieder zu gründen.

Die Gründung von Vereinen war zunächst verboten, später (Anfang 1946) wurden sie auf örtlicher Ebene auf Antrag und unter Auflagen zugelassen.

Eine Verbindung zu Gleichgesinnten in anderen Orten war nicht erlaubt, sie wurde dennoch gesucht und oft auf abenteuerliche Weise gefunden.

In den Jahren nach 1945 wurde heftig diskutiert und theoretisiert. Im Unterschied zu der Zeit vor 1933 entstand die AW als unabhängige, eigenständige Organisation.

Entwicklung nach der Neugründung

Anfang 1946 wurde in Hannover von neuem der "Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt" gegründet.

Den Vorsitz übernahm der Kölner Oberbürgermeister Robert Görlinger. Geschäftsführerin wurde wieder Frau Lotte Lemke.

1947 fand die erste "Reichskonferenz" nach dem Kriege im zerstörten Deutschland statt.

Neu formulierte Richtlinien werden beschlossen.

1949 fand eine "Reichskonferenz" in Solingen statt. Flüchtlingsminister Heinrich Albertz wurde neuer Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, Marie Juchacz Ehrenvorsitzende.

1952 wurde die Geschäftsstelle des Hauptausschusses von Hannover nach Bonn, Ollenhauerstraße 3, verlegt.

1961 Die bis dahin in Berlin/Ost bestehenden acht Kreisverbände der Arbeiterwohlfahrt stellen ihre Tätigkeit ein.

1962 Die Arbeiterwohlfahrt übernimmt die soziale Betreuung der türkischen Gastarbeiter.

1965 Bei der letzten "Reichskonferenz" wird Lotte Lemke neue Vorsitzende.

Die bisherigen Ortsausschüsse heißen nunmehr Ortsvereine, die Gliederungen Kreis-, Bezirks- bzw. Landesverbände. Der Hauptausschuß heißt Bundesverband.

1969 wurde das Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt gegründet.

1971 Bei der Bundeskonferenz wird Kurt Partsch, Minister a. D. neuer Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, Lotte Lemke wird Ehrenvorsitzende.

1975 Verabschiedung des ersten fachpolitischen Programms der Arbeiterwohlfahrt.

1983 Auf der Bundeskonferenz in Saarbrücken wird Hermann Buschfort, MdB, neuer Bundesvorsitzender der AW, stellvertretende Vorsitzende werden Elfriede Eilers und Rudolf Petereit, Kurt Partsch wird Ehrenvorsitzender.

1984 "Sozialpolitik der 80er Jahre" -Denkschrift der Arbeiterwohlfahrt.

1987 Verabschiedung des Grundsatzprogrammes der Arbeiterwohlfahrt unter dem Titel "Humanitäres Handeln aus politischer Verantwortung".

1990 nach 57 Jahren Trennung Zusammenschluß der ost- und westdeutschen Landes- und Bezirksverbände der Arbeiterwohlfahrt am 10. November im Rahmen eines Bundestreffens in Berlin.

1991 erste gesamtdeutsche Bundeskonferenz am 20. Und 21. April in Nürnberg.

1992 Bundeskonferenz in Berlin.

1996 Bundeskonferenz in Mainz.

1998 Bundeskonferenz in Düsseldorf (Programmkonferenz).

2000 28. Bundeskonferenz seit Gründung der AWO in Würzburg (30. Okt.-1. Nov.).

Die Arbeiterwohlfahrt zählt derzeit fast

- 630 000 Mitglieder,

- 100 000 ehrenamtliche Helfer,

- 140 000 beschäftigte Mitarbeiter,

- 10 000 soziale Dienstleistungsunternehmen.