Trinken bis er Arzt kommt!

Trinken bis der Arzt kommt

Februar 2006
Saufen, bechern, picheln, kübeln … Im deutschen Duden finden sich zahlreiche Begriffe für das Trinken von Alkohol in größeren Mengen. Doch „Kampftrinken“ kann als Alkoholvergiftung im städtischen Krankenhaus enden.

Rauschtrinken beginnt beim fünften Glas
Von Rauschtrinken („Binge drinking“) wird gesprochen, wenn fünf oder mehr Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit getrunken werden. Folgt man der Berichterstattung von Boulevardmagazinen so würde das gezielte Rauschtrinken in letzter Zeit vermehrt durch spezielle Angebote von Bars unter dem Motto „All you can drink“ oder durch so genannte „Flatrate-Partys“ gefördert. Dabei zahlen die Besucher einen bestimmten Betrag und können so viel trinken wie sie wollen.

Wohin geht der Trend?
Ob es sich beim kommerziellen „Flatrate-Saufen“ um einen echten Trend handelt oder nur um vereinzelte regionale Erscheinung, ist derzeit unklar. Denn in einer aktuellen Studie kommt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu dem Ergebnis, dass der Anteil an Jugendlichen, die sich gezielt betrinken, rückläufig ist. Während 2004 noch 23 Prozent der 12- bis 17-Jährigen Binge-drinking-Erfahrung in den letzten 30 Tagen hatten, waren es 2005 nur noch 19 Prozent. Zum Rückgang beigetragen hat vermutlich die Steuererhöhung auf spirituosenhaltige Alkopops, die August 2004 in Kraft trat.

Weiterhin hohes Niveau
Allerdings liegt der Alkoholkonsum bei Jugendlichen weiterhin auf hohem Niveau. „Wir können keine Entwarnung geben", sagt Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA in einem Artikel der Website Medizinauskunft zufolge, „weiterhin trinken 12- bis 17-Jährige pro Woche durchschnittlich 35,7 Gramm reinen Alkohol. Das ist eine Zahl, die wir nicht akzeptieren können."

Hohes Risiko durch Alkoholvergiftungen
Denn besonders junge Menschen riskieren schnell eine Alkoholvergiftung. In der Studie zu Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen wurden die Fallzahlen an Alkoholvergiftungen in 13 ausgewählten Krankenhäusern untersucht, allerdings vor Einführung der Alkopops-Steuer. Den Ergebnissen nach stiegen die Fallzahlen zwischen 2000 und 2002 um über 65 Prozent. 23 Prozent von ihnen waren zwischen 10 und 15 Jahren alt. In diesem Alter ist der Organismus besonders anfällig für die schädlichen Auswirkungen des Alkohols. „Die Gehirnstrukturen, die für das Lernen zuständig sind, sind bei trinkenden Jugendlichen zehn Prozent kleiner als bei nichttrinkenden", warnt Dr. Martin Beutel, leitender Arzt der Kraichtalkliniken der Diakonie Baden, nach Angaben der Website Medizinauskunft. Wer bereits in jungen Jahren an das Trinken großer Mengen Alkohol gewöhnt ist, läuft zudem Gefahr, später eine Abhängigkeit zu entwickeln.
Hohes Risiko und Gewaltbereitschaft mit Folgen
Die durch Alkohol verursachte erhöhte Risikobereitschaft hat besonders bei jungen Menschen fatale Folgen. Einem Bericht des ADAC zufolge geht jeder dritte Autounfall unter Alkoholeinfluss auf das Konto junger Menschen zwischen 18 und 24 Jahren. Zudem nimmt besonders bei männlichen Jugendlichen die Gewaltbereitschaft zu. Beispielsweise zeigte sich in einer Studie über jugendliche Gewalttäter, dass in 60 Prozent der Fälle Alkohol eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Sex unter Alkoholeinfluss
Ungewollter oder ungeschützter Sex unter Alkoholeinfluss kann zudem ein bitteres Erwachen zur Folge haben. In einer (nicht-repräsentativen) Befragung auf drugcom haben knapp 40 Prozent angegeben, dass sie schon mal Sex unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen hatten und es hinterher bereuten. Bei Männern kann es unter Alkoholeinfluss auch zu Erektionsproblemen kommen, weil der Alkohol alle Körperfunktionen betäubt.