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Sexueller Missbrauch

Sexueller Missbrauch - Begriffsbestimmungen

Sexueller Missbrauch bezeichnet strafbare sexuelle Handlungen an Menschen, die entweder an Minderjährigen vorgenommen werden oder an erwachsenen, widerstandsunfähigen Personen (z. B. Kranke, Behinderte, Hilfsbedürftige, Gefangene), wenn dies ohne deren Einverständnis geschieht. Im Kontext spezieller Behandlungs- und Betreuungsverhältnisse, z. B. Psychotherapie, werden sexuelle Kontakte auch mit Einverständnis des Klienten als Missbrauch seitens des professionellen Helfers gewertet.[1]

Sexueller Missbrauch ist in Deutschland als Vergehen oder Verbrechen strafbar. Vor allem der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern und der sexuelle Missbrauch von Kindern mit Todesfolge werden in Deutschland als Verbrechen eingestuft.

Sexueller Missbrauch - Einleitung

  • Das Wissen über sexuellen Missbrauch und die weitere Sensibilisierung für diese Problematik macht die vielen möglichen Facetten des Missbrauchs deutlich. Es gibt keine einfachen und eindeutigen Antworten und keine vorgegebenen Handlungsanweisungen.
  • Jedes einzelne Kind und seine Familie benötigt angemessene Hilfen und Lösungen. Dabei unterstützen Sie Beratungsstellen und die Polizei.
  • Ein Erwachsener oder Jugendlicher übt (nicht notwendigerweise unter Anwendung körperlicher Gewalt) sexuelle Gewalt aus, wenn er seine Autorität, seine körperliche und geistige Überlegenheit sowie die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Kindes zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse und zur Machtausübung benutzt. Das Kind (das sind im rechtlichen Sinne alle unter 14-Jährigen) wird beispielsweise mit obszönen Redensarten belästigt (bspw. bei Telefonanrufen oder E-Mail)
  • zur eigenen sexuellen Erregung angefasst
  • gezwungen, ihn/sie anzufassen und sexuell zu manipulieren,
  • gezwungen oder überredet, ihn/sie nackt zu betrachten oder bei sexuellen Handlungen zuzusehen
  • für pornografische Zwecke benutzt oder es wird ihm pornografisches Material vorgeführt
  • im Intimbereich berührt (Scheide, Po, Brust bei Mädchen oder Po und Penis bei Jungen) oder zu oralem, analem oder vaginalem Geschlechtsverkehr gezwungen, also vergewaltigt.
  • Auch Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren werden nicht nur durch den § 177 StGB, sondern auch durch den spezielleren Tatbestand des § 174 StGB vor sexuellen Handlungen durch Personen geschützt, von denen sie abhängig sind (etwa in den Bereichen Schule, Erziehung, Familie, Sport, Ausbildung, Arbeitsplatz).
  • Die Täter verlangen von ihren Opfern zumeist Stillschweigen, weil sie sich der Strafbarkeit ihres Handelns durchaus bewusst sind.

Sexuelle Gewalt kann Folgen haben!

  • Sexuelle Gewalt kann Folgen haben, die möglicherweise das ganze Leben andauern.
  • Sexuellen Missbrauch erleben die meisten Mädchen und Jungen als ein extremes Ereignis, dem sie nicht ausweichen können. Es ist mit Gefühlen der Hilflosigkeit und der Angst verbunden. Erinnerungen an den Missbrauch überfluten die Opfer unkontrollierbar in Form von „Erinnerungsblitzen“ oder Albträumen. Sie leiden oftmals unter starken Stimmungsschwankungen, sind oft ohne erkennbaren Anlass ängstlich, traurig, wütend oder sie schämen sich.
  • Etwa 40 Prozent der sexuell missbrauchten Kinder zeigen zunächst in ihrem Verhalten keine Auffälligkeiten. Andere bringen über Verhaltensänderungen ihre Gewalterfahrungen zum Ausdruck. Kinder im Vorschulalter spielen oftmals die erlebte Gewalt nach, einige vermeiden Situationen, die Erinnerungen an die Gewalterfahrung hervorrufen. Viele betroffene Kinder verhalten sich in alltäglichen Situationen plötzlich wie unbeteiligt und leiden unter Schlafproblemen, Konzentrationsstörungen, Wachsamkeit, Schreckreaktionen und Wutausbrüchen, deren Heftigkeit nicht im Verhältnis zur Geringfügigkeit des Anlasses steht.
  • Nicht alle Kinder, die sexuell missbraucht wurden, leiden unter lebenslangen Folgen. Wird einem Kind geglaubt, wird es geschützt und bekommt es Hilfe bei der Bewältigung der Gewalterfahrung, so besteht eine große Chance, dass sie/er die Gewalterfahrung verarbeitet. Kinder, die vor dem Missbrauch psychisch stabil waren, sind eher in der Lage, die schädlichen Auswirkungen der Gewalterfahrungen zu bewältigen.
  • Alle beschriebenen Auffälligkeiten können ein Hinweis auf erlebten sexuellen Missbrauch sein, sie können jedoch auch andere Ursachen haben. Verhaltensauffälligkeiten von Kindern sind immer ein Hilferuf, dessen Ursache mit fachlicher Unterstützung abgeklärt werden sollte.Spezielle Schutzvorschriften für Kinder.
  • Für Kinder sieht das Gesetz eine Reihe von Schutzvorschriften vor. In einer Hauptverhandlung werden Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nur vom Richter befragt. Andere Personen dürfen das Kind nicht direkt befragen; der Ausschluss der Öffentlichkeit oder des Angeklagten ist leichter möglich. Selbstverständlich können die Erziehungsberechtigten ihr Kind begleiten.

Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland

Das deutsche Strafgesetzbuch schützt das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung. Diese kann durch die Missbrauchshandlung grundsätzlich in zweierlei Weise verletzt werden:

Zum einen kann eine Handlung gegen oder ohne den Willen des Opfers vorgenommen werden, zum anderen kann eine Handlung scheinbar einvernehmlich vorgenommen werden, wobei der Täter jedoch dieses scheinbare Einvernehmen unter Ausnutzung der fehlenden Einwilligungskompetenz des Opfers oder einer besonderen Beziehung zu seinem Opfer herbeiführt.

Handlungen gegen den Willen des Opfers

Das Handeln gegen den Willen des Opfers unter Anwendung von Gewalt, Drohung mit Gewalt oder unter Ausnutzung einer schutzlosen Lage stellt in der Terminologie des deutschen Strafrechts eine sexuelle Nötigung dar (vgl. § 177 Abs. 1 StGB). Bei Vollzug des Beischlafs oder ähnlichen sexuellen Handlungen, „insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind“ (§ 177 Abs. 2 StGB) liegt eine Vergewaltigung vor. Während die Vergewaltigung in vielen Rechtsordnungen einen eigenen Straftatbestand darstellt, hat der deutsche Gesetzgeber im 6. Strafrechtsreformgesetz die Konzeption gewählt, dass die Vergewaltigung einen besonders schweren Fall der sexuellen Nötigung darstellt.

Verursacht der Täter durch die sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung wenigstens leichtfertig den Tod des Opfers, sieht der Qualifikationstatbestand des § 178 StGB eine Freiheitsstrafe von nicht unter zehn Jahren vor.

Ausnutzungstatbestände

Zu der zweiten Gruppe zählen zunächst diejenigen Tatbestände, in denen das Opfer wegen jugendlichen Alters nicht in der Lage ist, die Bedeutung einer Einwilligung in die Vornahme sexueller Handlungen zu erfassen und danach zu handeln.

Sexueller Missbrauch von Kindern bezeichnet sexuelle Handlungen an oder mit einem Kind. Als Kinder werden in Deutschland Personen bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres verstanden, in anderen Staaten Personen bis mindestens zur Vollendung des 12. und höchstens bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Im Jahre 2003 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass in den Ländern, in denen die Rechtsprechung des Gerichtshofes Gültigkeit hat, das sexuelle Selbstbestimmungsrecht von Menschen ab 14 Jahren beachtet werden muss.[7] (siehe auch § 176 StGB)

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen bezeichnet sexuelle Handlungen meist Erwachsener mit Jugendlichen, die gegen Entgelt stattfanden oder wenn die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung des Jugendlichen fehlt und der Erwachsene dieses ausnutzt. Als Jugendliche gelten weithin Personen im Alter von 14 bis 17 Jahren, wobei die Altersbereiche bezüglich der Strafbarkeit in Deutschland feiner aufgegliedert werden. Siehe auch § 182 StGB.

Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen bezeichnet sexuelle Handlungen einer Person mit Jugendlichen, wenn zwischen der Person und dem Jugendlichen ein Ausbildungs- bzw. Betreuungsverhältnis besteht oder es sich bei dem Jugendlichen um ein leibliches oder adoptiertes Kind handelt. Dies ist in Deutschland durch § 174 StGB unter Strafe gestellt.

Ausnutzung einer besonderer Stellung

Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung einer besonderen Stellung

Im Berufsleben bzw. Rechtsleben kann es zu einer Vielzahl von Über- und Unterordnungsverhältnissen kommen, die teilweise für den Unterlegenen so erheblich sind, dass eine selbstbestimmte Einwilligung in die Vornahme sexueller Handlungen nicht mehr angenommen werden kann. Daher sind sexuelle Übergriffe innerhalb dieser Beziehungen generell strafbewehrt, wenn sie unter Ausnutzung einer derartigen Stellung erfolgen. Dies gilt daher auch bei gegenseitiger Zustimmung. Im Einzelnen sind hier zu nennen:

Sexueller Missbrauch von Gefangenen, behördlich Verwahrten oder Kranken und Hilfsbedürftigen in Einrichtungen nach § 174a StGB sieht für denjenigen, der sexuelle Handlungen mit einer „gefangenen oder auf behördliche Anweisung verwahrten“ Person, „die ihm zur Erziehung, Ausbildung, Beaufsichtigung oder Betreuung anvertraut ist“ vornimmt, Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor.

Wegen Missbrauchs unter Ausnutzung einer Amtsstellung nach § 174b StGB wird derjenige mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft, der als Amtsträger zur Mitwirkung an einem Strafverfahren oder einem auf eine freiheitsentziehende Maßnahme abzielenden Verfahren berufen ist und „unter Missbrauch“ einer durch dieses Verfahren bestimmten Abhängigkeit die Vornahme sexueller Handlungen herbeiführt.

Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses nach § 174c StGB schließlich sanktioniert sexuelle Handlungen, die im Rahmen eines qualifizierten Behandlungsverhältnisses, zum Beispiel zwischen Arzt und Patientin bzw. Patient, vorgenommen werden. Insbesondere sind sexuelle Handlungen an psychisch oder seelisch kranken Patienten, zum Beispiel im Rahmen einer ärztlichen Therapie oder Psychotherapie strafbar. Die Bundesärztekammer und die Landesärztekammern sowie der Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen heben hervor, dass dies auch bei Zustimmung des Patienten der Fall ist.[8]

Missbrauchsformen

  • Vergewaltigung
  • Sexuelle Nötigung
  • Sexueller Missbrauch von Kindern im Schutzalter
  • Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen
  • Rituelle Gewalt
  • Kinderpornografie
  • Exhibitionismus

sexueller Missbrauch - sexuelle Belästigung

Abzugrenzen ist der sexuelle Missbrauch von der sexuellen Belästigung, die mitunter rechtswidrig, z. B. in arbeitsrechtlicher Hinsicht, aber nicht strafbar ist. Sexuelle Belästigung ist in vielen Unternehmen Kündigungsgrund.